Corona-Pandemie: Impfstoff für alle? Wo die Priorisierung jetzt fällt und was das für Impfwillige bedeutet

In Bayern und in Baden-Württemberg dürfen ab kommender Woche alle bisher verfügbaren Corona-Impfstoffe ohne Rücksicht auf die staatlich vorgegebene Priorisierung beim Arzt verimpft werden. Dies werde „im Laufe der nächsten Woche“ passieren, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).In Baden-Württemberg können die Ärzte ab Montag vollständig selbst entscheiden, wer die Impfung gegen das Coronavirus zuerst bekommt.…

In Bayern und in Baden-Württemberg dürfen ab kommender Woche alle bisher verfügbaren Corona-Impfstoffe ohne Rücksicht auf die staatlich vorgegebene Priorisierung beim Arzt verimpft werden. Dies werde „im Laufe der nächsten Woche“ passieren, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

In Baden-Württemberg können die Ärzte ab Montag vollständig selbst entscheiden, wer die Impfung gegen das Coronavirus zuerst bekommt. Auch Berlin hebt ab Montag die Priorisierung für alle verfügbaren Corona-Impfstoffe bei Haus- und Betriebsärzten auf. Zudem will Brandenburg den Impfstoff für alle freigeben. Sachsen folgt zum 24. Mai.

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Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und die Bundesregierung lehnen die Auflösung der Priorisierung mit Blick auf Millionen bisher nicht geimpfte Angehörige der Risikogruppen zum jetzigen Zeitpunkt ab.

2. Was erhoffen sich die Länder von der Entscheidung?

Die Bundesländer wollen mit der Freigabe erreichen, dass möglichst alle Dosen verimpft werden. Ärzte sollten sich nicht unsicher fühlen, wenn sie zwischen der Priorisierung auch andere Menschen impften – etwa um zu verhindern, dass Dosen aus angebrochenen Fläschchen weggeworfen werden müssen, begründete Berlins Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz im rbb die Entscheidung.

Es sei zu erwarten, dass Praxen vor der Frage stehen, ob sie die gelieferten Mengen wirklich nur bei priorisierten Patienten einsetzen können. „Hier wollen wir auch Sicherheit schaffen, dass die Ärztinnen und Ärzte nicht nachher im Regen stehen und nicht wissen, was sie tun sollen“, sagte er.

Die Kassenärztliche Vereinigung in Baden-Württemberg sieht in der Freigabe ein „bürokratisches Hindernis“ weniger. Mediziner müssten nicht mehr im Einzelfall prüfen, ob Patienten impfberechtigt sind. Sie könnten flexibler handeln.

Tatsächlich komme die Impfkampagne an einen Punkt, „wo das Impftempo durch die starre Priorisierung heruntergebremst wird“, sagte Dominik Stillfried, Chef des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI). „Mit der steigenden Impfquote wird es für die Praxen immer schwieriger, Impfwillige zu finden.“

Gleichzeitig hätten die Praxen lange Wartelisten, die nicht bedient werden können. „Es wäre also sinnvoll, die Priorisierung bereits jetzt in allen Bundesländern aufzuheben“, so Stillfried. Allerdings müssen die Erwartungen in der Bevölkerung aufgrund des mangelnden Impfstoffs gebremst werden.

3. Kann sich nun jeder in den Bundesländern impfen lassen?

Theoretisch schon, praktisch allerdings nicht. Dafür gibt es schlicht nicht genügend Impfstoff. Im Gegenteil: Die Nachfrage war schon vor der Ankündigung einiger Bundesländer größer als das Angebot. So bestellten die Praxen für die kommende Woche insgesamt 1,9 Millionen Dosen Biontech und eine Million Dosen Astra-Zeneca, geliefert werden allerdings nur 1,6 Millionen Dosen des deutschen Herstellers und 850.000 des britisch-schwedischen.

Die Nachricht von der Freigabe vergrößerte den Ansturm noch einmal. „Die Praxen hat die Ankündigung völlig unvorbereitet getroffen“, sagt Ulrich Weigeldt, Chef des Hausärzteverbands. „Sie werden nun überrannt mit Anfragen, die sie insbesondere aufgrund der aktuellen Impfstoffknappheit nicht alle erfüllen können.“ Manche Menschen, die noch keinen Impftermin erhalten können, würden gegenüber den Praxismitarbeitenden teils aggressiv auftreten.

„Das kostet dann genau die Zeit, die es eigentlich bräuchte, um Termine mit denjenigen zu vereinbaren, die etwa aufgrund von Vorerkrankungen möglichst rasch geimpft werden sollten.“ Sinn ergeben würde stattdessen eine Flexibilisierung der Impfreihenfolge – die Hausärzte bräuchten weniger starre Regeln bei der Entscheidung, wen sie impfen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, nannte die Ankündigungen gar „kontraproduktiv“. „Wir rufen dringend dazu auf, nicht die Praxen zu stürmen“, sagte er am Freitag. Frust, Zorn und Ärger treffe dann die Ärztinnen und Ärzte, vor allem aber auch die Teams der medizinischen Fachangestellten in den Praxen.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hatte sich dafür ausgesprochen, Corona-Impfstoffe auch weiterhin gemäß der Priorisierung zu verabreichen. „Ich halte es für falsch, die Impfpriorisierung jetzt schon komplett preiszugeben“, sagte Marburger-Bund-Chefin Susanne Johna der „Rheinischen Post“.

„Es sind ja noch gar nicht alle Personen mit Vorerkrankungen und erhöhtem Risiko geimpft. Die sollten auch in den Impfzentren noch Vorrang haben.“ Bund und Länder dürften bei ihren Entscheidungen nicht der Devise „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ Vorschub leisten. Dann hätten die „Schwächeren, die am wenigsten drängeln, am Ende das Nachsehen“.

4. Was gilt in den anderen Bundesländern und in den Impfzentren?

Bund und Länder haben die Priorisierung für die Impfstoffe von Astra-Zeneca und Johnson & Johnson bereits aufgehoben. Sie können selten zu schweren Nebenwirkungen führen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung mit den Vakzinen deswegen nur für Menschen ab 60 Jahren.

Vor der Entscheidung für eine Impfung ist deswegen bei jüngeren Personen eine ärztliche Aufklärung und individuelle Risikoanalyse vorgeschrieben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will durch die Entscheidung, die Priorisierung für die beiden Impfstoffe aufzuheben, die Impfkampagne „pragmatisch“ und „mit Geschwindigkeit“ vorantreiben.

Für die Vakzine von Biontech und Moderna gilt in den übrigen Bundesländern und auch in den Impfzentren noch die Impfreihenfolge, die bislang bis zur dritten Priorisierungsgruppe und damit für knapp die Hälfte der Bevölkerung freigegeben ist.

Sie umfasst Menschen ab 60 Jahren, medizinisch vorbelastete Personen, Beschäftigte bei Polizei und Feuerwehr sowie in der kritischen Infrastruktur. Dazu zählen der Energie-, Gesundheits- und Transportsektor. Die Bundesregierung plant, die Impfpriorisierung wegen des knappen Impfstoffs erst im Juni aufzuheben.

Mehr: Kassenärzte-Chef Gassen: „Können in relativ kurzer Zeit alle Jugendlichen impfen“

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Author: Asaan Hai

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